Wenn der Nachbar baut: Wer hat Recht bei Schäden?

Wenn in der Nachbarschaft gebaut wird, ist das meistens kein großes Problem, denn die Belastungen durch Lärm, Baustellenverkehr und Staub oder Schmutz sind zeitlich begrenzt und können oft toleriert werden.

Aber was ist, wenn Bauarbeiten so nahe an einer anderen Immobilie ausgeführt werden, dass diese eventuell beim Abriss eines Gebäudes oder beim Erdaushub für einen Keller in Mitleidenschaft gezogen wird.

Das kann so aussehen, dass durch starke Erschütterungen während der Bauarbeiten Risse in der Fassade des Nachbargebäudes entstehen können oder eine nicht fachgerecht abgestützte und gesicherte Baugrube einbricht und eine  angrenzende Terrasse auf dem Nachbargrundstück dadurch absackt.

Ebenso besteht beim unfachmännischen Abriss von alten Wohnimmobilien oder Scheunengebäuden die Gefahr, dass Trümmerteile „auf Abwege“ geraten und beim Herunterfallen etwas an oder auf einem angrenzenden  Anwesen beschädigen.

Wenn also zu befürchten ist, dass durch Bauarbeiten in der Nachbarschaft Schäden an einer anderen Immobilie entstehen könnten, ist es sinnvoll, vor Baubeginn eine Beweissicherung durchzuführen.

Im Rahmen einer solchen Beweissicherung wird der Ist-Zustand vor Beginn der Bauarbeiten dokumentiert, um danach eventuelle Schäden nachweisen zu können.

Auch bereits bestehende Schäden und Mängel werden fotografisch und schriftlich dokumentiert. Falls zum Beispiel an einer Fassade schon Rissschäden existieren, sollten diese mit Hilfe eines Rissbreitenlineals für die Dokumentation fotografiert und eventuell mit Hilfe eines Rissmonitors über die Bauzeit hinweg beobachtet werden.

Aber nicht nur das Gebäude selbst sollte dokumentiert werden. Falls sich in direkter Nähe der Baustelle wertvolle Gartenanlagen wie ein Pool, Terrasse oder Mauern befinden, sind diese – ebenso wie Straßen, Gehwege, Verkehrsanlagen, Umzäunungen und Bäume oder Hecken –  auch in die Dokumentation mit einzubeziehen. Dann kann anhand der beschriebenen Abbildungen der vorherige Zustand mit der Situation nach Abschluss der Bauarbeiten verglichen und damit recht  eindeutig festgestellt werden, inwieweit eine Veränderung oder Beschädigung eingetreten ist.

Wenn der Bauherr also nicht beweisen kann, ob ein Schaden an der angrenzenden Immobilie schon vor dem Beginn der Bauarbeiten vorlag, kann es im Streitfall zu einem Urteil zu Gunsten des Beschwerde führenden Nachbarn kommen.

Der Bauherr ist weitgehend haftbar für Schäden, die durch seine Baustelle an der Nachbarbebauung entstehen.

Um das Risiko einer möglicherweise unberechtigten Schadenersatzforderung zu minimieren, empfiehlt es sich also, einen unabhängigen Bausachverständigen mit der Beweissicherung zu beauftragen. Zudem kann ein Sachverständiger oft Tipps geben, wie manche Gefahrstellen schon vorab „entschärft“ werden können, so dass erst gar kein Schaden entsteht.

Mit dieser Dokumentation verfügt der Bauherr über ein wichtiges Instrument zur Beweisführung, falls Ansprüche zum Schadenersatz für entstandene Schäden im Rahmen der Baumaßnahme an ihn gestellt werden.

Für Sie erfassen wir den Ist-Zustand zeitnah vor Beginn der Bauarbeiten in schriftlicher und bildlicher Form.

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